Wo ist der Nuckel

»Darf ich noch das Sandmännchen sehen?« fragt Lena beim Abendessen.
»Wenn du dein Brot aufgegessen hast, gerne«, antwortet ihr Mama Tasha.
Vor lauter Freude schmeckt Lena das Brot jetzt doppelt so gut, jedenfalls ist es im Nu in Lena’s Bauch verschwunden.
»Fertig«, ruft sie mit strahlender Miene.
»Na, dann will ich den Fernseher mal anstellen«, sagt die Mama, »aber danach werden gleich die Zähne geputzt und dann geht es ab ins Bett«, ergänzt sie noch.
Mama Tasha und Lena sehen sich gemeinsam das Sandmännchen an, heute gibt es eine spannende Geschichte mit »Herrn Fuchs und Frau Elster.«
»Das war schön«, sagt Lena nachdem der Sandmann seinen Traumsand verstreut hat.
»Liest du mir noch eine Gute-Nacht-Geschichte vor?«
»Das mache ich doch immer«, antwortet Mama Tasha, »jetzt aber schnell ins Badezimmer. Ich suche schon einmal den Nuckel und Eisbär Knut. Die fliegen sicher wieder irgendwo in der Wohnung herum.«
Es dauert auch nicht lange, da ruft die Mama: »Knut habe ich gefunden, aber wo ist dein Nuckel?«
»In meinem Zimmer«, antwortet Lena unsicher und noch mit der Zahnpasta im Mund.
Aber der Nuckel bleibt verschwunden.
»Du hast drei Nuckel, die können doch nicht alle weg sein«, sagt Mama Tasha ganz verzweifelt, »dann musst du halt ohne Nuckel ins Bett gehen.«
Die Mama liest Lena noch eine schöne Geschichte vor, aber Lena kann gar nicht richtig zuhören.
Bei dem Gedanken an ihren Nuckel kullern ihr sofort die Tränen ins Gesicht.
Als die Mama das Licht ausgeschaltet und die Kinderzimmertür geschlossen hat, dauert es auch nicht lange bis Lena wieder nach ihrer Mama ruft.
»Ich kann nicht einschlafen«, sagt sie weinend.
»Du bist doch schon so ein großes Mädchen«, sagt Mama Tasha, aber dann hat sie eine Idee.
»Warte mal einen Moment«, sagt sie dann, »vielleicht habe ich einen Ersatz-Nuckel.«
Schnell läuft sie in die Küche und sucht sich ein paar seltsame Gegenstände zusammen.
Einen Gummihandschuh, einen Weinkorken, eine Schere und einen Bindfaden.
Dann schneidet sie mit der Schere den Daumen vom Handschuh ab, steckt den Korken da hinein und schnürt das Ende mit dem Bindfaden zu.
»Mit diesem Nuckel musst du heute mal vorlieb nehmen«, sagt sie, als sie wieder bei Lena im Zimmer angekommen ist.
Lena weiß im ersten Moment nicht, ob sie nun lachen oder heulen soll. Aber da die Mama sich so viel Mühe gemacht hat, entschließt sie sich, es mit diesem Nuckel einfach zu probieren.
»Die Mama hat aber noch eine Idee«, sagt sie zu Lena.
»Mama stellt dir morgen eine große Kiste in dein Zimmer.
Eine Trostkiste.
Da kommen ganz viele Geschenke, Spielsachen, Süßigkeiten, Kleidung und noch viel mehr hinein. Und immer wenn du eine Nacht ohne Nuckel schläfst, darfst du dir den nächsten Morgen etwas aus der Trostkiste nehmen.
Ist das eine gute Idee?«
Lena zögert noch mit ihrer Entscheidung, dabei kaut sie etwas unbehaglich auf ihrem Gummihandschuh-Weinkorken-Nuckel.
»Komm«, stößt sie die Mama an, »du bist doch schon ein großes Mädchen, du brauchst doch keinen Nuckel mehr!«
»Wenn ich heute auch ohne Nuckel schlafe«, sprudelt es auf einmal aus Lenas Mund, »darf ich mir dann morgen schon was aus der Trostkiste aussuchen?«
»Aber ja mein Schatz«, antwortet ihr die Mama und sie nimmt ihren kleinen Racker ganz fest in den Arm.
»Dann darfst du deinen selbst gebastelten Nuckel wieder mitnehmen«, sagt Lena, dreht sich auf die andere Seite und schläft im Nu ein.
Den Kuss, den ihr die Mama auf die Wange gibt, bekommt sie gar nicht mehr mit.
Sie träumt schon davon, wie sie in ihrer Trostkiste nach Schätzen suchen darf.
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