In der Stadt

Heute fährt Oma Bella mit Leon in die Stadt. Sie hat ihm versprochen, dort mit ihm auch einmal Rolltreppe zu fahren.
»Kann ich da mit dem Roller die Treppe herunter fahren?«, fragt Leon seine Oma Bella. »Nein, die Treppe rollt von alleine«, erklärt die Oma, »du wirst schon früh genug sehen, wie das funktioniert, jetzt kannst du aber schon aus dem Auto aussteigen, wir sind da.«
Die beiden haben heute einen langen, aber hoffentlich schönen Tag vor sich.
Soeben sind sie mit dem Auto zum Bahnhof gefahren, dann geht es mit dem Zug in die große Stadt und dann noch mit der Straßenbahn weiter bis ins Zentrum.
Da hat die Oma Leon versprochen, dass er in einem Kaufhaus mit der Rolltreppe fahren darf.
»Wollen die Leute alle Rolltreppe fahren?« fragt Leon oben auf dem Bahnsteig.
»Nein, sicher nicht«, antwortet ihm Oma Bella, »aber viele wollen bestimmt auch in die große Stadt zum Einkaufen.«
Dann ruft eine Stimme so laut aus einem Lautsprecher, dass sich Leon die Ohren zuhalten muss, aber dafür kommt endlich der Zug.
Es ist ein riesenlanger Zug mit vielen roten Wagen. Leon und Oma steigen ein und fahren mit ihm bis in die große Stadt.
»Jetzt musst du mich immer schön anfassen und nicht weglaufen«, sagt Oma Bella zu Leon, »hier sind so viele Menschen, da finde ich dich sonst nicht wieder.«
»Ich sehe nur Beine«, sagt Leon etwas ängstlich und er ist froh, als er endlich in der Straßenbahn sitzen kann.
»Die Straßenbahn fährt nicht so schnell, wie der Zug«, will ihm die Oma erklären, aber sie kommt nicht weiter.
»Die ist ja auch grün, und der Zug ist rot!« behauptet Leon und bei dieser Logik gibt es einfach kein Gegenargument mehr für die arme Oma.
Im Zentrum angekommen nehmen die beiden erst einmal auf einer Bank Platz und Oma öffnet den Rucksack.
»Ich habe Durst«, fängt Leon auch gleich an.
»Dreimal darfst du raten, warum wir hier sitzen«, entgegnet die Oma und gibt ihm eine Tüte mit Saft, »und hier hast du noch ein Käsebrötchen, dann können wir erst einmal zusammen schön picknicken, mitten in der Stadt.«
»Richtig gemütlich«, sagt Leon noch und die beiden essen ihre Brötchen und beobachten die vielen vorbeilaufenden Menschen.
»Die Krümelreste können wir den Tauben geben«, sagt Oma Bella, aber Leon hat in der Zwischenzeit entdeckt, dass es viel interessanter ist, die Tauben so lange zu jagen, bis sie wegfliegen.
Endlich gehen sie doch weiter in das Kaufhaus mit der Rolltreppe.
»Das macht Spaß«, ruft Leon und seine Augen strahlen vor Freude.
Ohne dass er laufen muss, fährt er auf der Rolltreppe immer höher und höher.
Natürlich hat ihm die Oma auf die Rolltreppe geholfen, denn immer wenn da eine Treppenstufe ist, auf die Leon treten will, ist die auch schon wieder weg und es kommt eine neue Stufe.
Aber so geht das drei Etagen Rolltreppe hoch und auch wieder runter, hoch und wieder runter.
»Ich muss mal«, kommt es aus Leons Mund, »jetzt!«
Natürlich ist sofort Panik angesagt.
Mit dem gemütlichen Rolltreppe fahren ist es mit einem Male vorbei.
Nun fahren diese Dinger der Oma viel zu langsam und die Toiletten sind wie immer oben und die beiden gerade unten. Aber dann sind sie endlich dort.
»Ich gehe doch nicht auf die Damentoilette«, voller Entrüstung bleibt Leon stehen.
»Wenn ich dir den Knopf an der Hose aufmache, schaffst du das dann alleine?«
»Na klar, ich bin doch schon groß«, ist Leons Antwort und schon ist er auf der Herrentoilette verschwunden.
»Was kann das Leben einem doch für Überraschungen bieten«, denkt sich Oma Bella.
Voller Stolz wegen der gemeisterten Probleme machen sich die beiden wieder zurück auf den Heimweg.
Erst mit der Straßenbahn, dann mit dem Zug und den Rest im Auto.
Aber schon im Zug ist Leon eingeschlafen und Oma Bella muss ihn tragen.
»Ich glaube, der kleine Prinz träumt vom Rolltreppe fahren«, denkt sie bei sich.
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