Ein Leben lang tot

»Mach doch die Augen zu und schlaf schon mal ein bisschen«, sagt Opa Klaus zu Lena an einem schönen Sommerabend.
Lena ist mit Ihrem Opa im Garten hinter dem Haus und sie macht es sich gerade in einem Liegestuhl bequem.
»Nee, dann gehe ich tot«, antwortet Lena sofort.
Opa Klaus fallen vor Schreck fast die letzten Haare aus, aber dann fragt er:
»Wie kommst du denn darauf?«
»Na, der Papa von Frau Kleine aus dem Kindergarten«, beginnt Lena, »der hat auch im Liegestuhl gelegen und ist dann eingeschlafen.
Frau Kleine hat gesagt, der ist dann gestorben. Ganz in Ruhe.
Ja, und jetzt ist der sein Leben lang tot.«
»Aber dann darfst du ja gar nicht mehr im Bett schlafen«, sagt Opa Klaus nachdem er sich vom nächsten Schreck erholt hat, »da sterben die meisten Menschen.«
»Warum stirbt man?« will Lena ohne zu zögern wissen.
»Das ist nun mal so«, beginnt Opa Klaus seine Antwort.
»Alle Lebewesen auf der Erde sterben irgendwann, das gilt für uns Menschen, aber auch für die Tiere und die Pflanzen.
Nicht alle werden gleich alt, der eine stirbt früher, der andere später.
Eine Fliege zum Beispiel, sie wird nur ein paar Tage alt, aber ein Kaninchen wird ein paar Jahre alt.
Oder nimm einen Baum, der wird viel, viel älter als eine Blume, aber auch er muss einmal sterben. Du hast ja auch schon viele alte Bäume im Wald liegen sehen, nicht wahr?
Wir Menschen sterben auch irgendwann, einfach weil wir dann alt geworden sind.«
»Du bist doch auch schon alt«, fragt Lena vorsichtig und Opa Klaus weiß genau, wie sie das meint.
»Ja«, fährt er daraufhin fort, »in unserer Familie bin ich der Älteste. Mein Vater und mein Opa leben schon nicht mehr, aber ich will noch so lange leben, bis du ein grosses Mädchen geworden bist.«
»Wirst du dann auch in der Erde begraben wie der Papa von Frau Kleine?« fragt Lena jetzt.
»Ich denke schon«, erwidert ihr der Opa.
»Das will ich aber nicht«, wird Lena ganz energisch, »dann fressen dich ja die Würmer.«
»Das ist nicht so schlimm«, entgegnet der Opa jetzt zum Erstaunen von Lena.
»Begraben wird nämlich nur mein Körper, also die Haut und die Knochen, und die sind dann sowieso schrumpelig und steif.
Aber meine Seele, also meine Gedanken und mein Wissen, die kommen in den Himmel.«
Lena ist sprachlos, ihr Mund steht offen und sie schaut mit trüben Augen nach oben, in den Himmel.
»Von dort kann ich dich dann immer sehen und beschützen«, erzählt Opa Klaus weiter.
»Wie ein Engel?« fragt Lena schüchtern.
»Noch viel besser«, sagt der Opa, »und wenn du mal nicht weiter weißt, dann werde ich dir einfach von da oben aus helfen.«
»Und das geht?« zweifelt Lena etwas.
»Irgendwie kann der Opa doch alles. Du musst nur ganz fest daran glauben, dann klappt das auch«, antwortet Opa Klaus selbstsicher.
»Aber wo willst du da denn wohnen?« Lena hat ihre Fassung wiedergefunden.
»Na, auf einem Stern natürlich«, antwortet Opa Klaus, »und zwar auf dem schönsten, größten und hellsten Stern, den es am Himmel gibt.«
»Juchhu«, stimmt Lena zu, »dann kannst du mich wirklich immer sehen.«
»Aber wie finde ich deinen Stern, da sind ja so viele?« fragt sie nach einer Weile.
»Den ersten Stern, den du abends am Himmel sehen kannst, der mehr leuchtet als alle anderen Sterne, da wohne ich dann«, antwortet Opa Klaus.
Lena sieht wieder zum Himmel, aber diesmal mit leuchtenden Augen.
»Da ist er«, ruft sie laut und sie winkt dem Abendstern mit beiden Armen zu.
»Ja, das ist er, er hat mir eben zugeblinzelt.«
Vor Freude springt Lena ihrem Opa auf den Arm und sie gibt ihm einen dicken Kuss, und als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt, sagt sie dann:
»Wollen wir jetzt Verstecken spielen?«

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