Das Auto fährt nicht

»Ich weiß nicht, was ich spielen soll«, nervt Lena ihre Mama schon eine ganze Weile, »mir ist langweilig.«
»Dann male doch ein bisschen«, antwortet ihr Mama Tasha.
»Habe ich schon den ganzen Morgen gemacht«, kommt es prompt von Lena zurück, »und alles andere, was du mir jetzt vorschlagen willst, auch schon.«
Mama Tasha ist richtig erschrocken, so kennt sie ihre kleine Tochter ja gar nicht.
»Dann hast du ja wirklich ein großes Problem«, bestätigt ihr die Mama erst einmal, »kannst du denn nicht mit deiner Freundin Eva spielen?«
»Nein, die ist mit ihrem Papa in den Zoo gefahren«, sprudelt es nur so aus Lenas Mund.
»Na, jetzt versteh ich alles«, sagt daraufhin Mama Tasha, »dann frag doch mal den Papa, ob er nach dem Mittagessen mit dir in das Schwimmbad fahren möchte.«
»Hurra, hurra«, ruft Lena und rennt durch das ganze Haus auf der Suche nach ihrem Papa.
In der Garage findet sie Papa Mirko endlich.
»Papa, Papa, fährst du nachher mit mir ins Schwimmbad«, ruft sie schon von Weitem und völlig außer Atem.
»Ein anderes Mal gerne, aber heute geht das leider nicht«, antwortet ihr Papa Mirko.
»Och, nie hast du Zeit für mich«, mault Lena enttäuscht, »Evas Papa ist aber mit ihr in den Zoo gefahren.«
»Wir können mit unserem Auto nicht fahren, das ist kaputt«, sagt Papa Mirko.
»Warum?« kommt direkt die Frage von Lena.
»Also ich kann dir sagen ‚was‘ kaputt ist. Das Licht brennt nämlich nicht und die Blinker funktionieren nicht. Aber ‚warum‘ das so ist, das weiß ich auch nicht. Dazu muss ich mit dem Auto in die Werkstatt fahren. Die werden den Fehler bestimmt finden und dann lasse ich auch gleich eine Hauptuntersuchung machen.«
»Eine Untersuchung?« fragt Lena. »Ist das ein Onkel Doktor für Autos?«
»Ja«, antwortet Papa Mirko schmunzelnd, »so kannst du das nennen. Meistens muss jedes Auto ungefähr alle zwei Jahre gründlich untersucht werden, egal, ob es kaputt ist oder nicht.«
»Warum?« will Lena wissen.
»Warum gehst du zum Beispiel zum Zahnarzt, auch wenn dir nichts weh tut?« stellt der Papa die Gegenfrage.
»Wenn ich ein Loch in den Zahn kriege, dann tut das doll weh«, antwortet Lena, »und weil der Zahnarzt sieht, ob da vielleicht ein Loch kommt, macht er das gleich weg und dann tut das erst gar nicht weh.«
»Super«, bestätigt ihr Papa Mirko, »und bei einem Auto ist das auch so.«
»Quatsch«, schüttelt Lena ihren Kopf, »ein Auto hat doch keine Zähne.«
Papa Mirko muss lachen.
»Nein, Zähne hat es nicht, aber Löcher kann es trotzdem bekommen«, erklärt er, »zum Beispiel durch Rost, und dann kann es sogar ganz gefährlich werden.«
Lena sieht ihren Papa ungläubig an.
»Das Auto kann doch nicht gefährlich werden«, denkt sich Lena, »da kann ich doch so schön ruhig drin schlafen.«
Papa Mirko errät die Gedanken seiner kleinen Tochter und darum erklärt er ihr genauer.
»So wie der Zahnarzt sieht, ob da ein Loch kommt, kann der Autoschlosser sehen, ob da vielleicht die Bremse bald kaputt geht und kann die reparieren. Gehst du nicht zum Zahnarzt, hast du irgendwann das Loch und Zahnschmerzen, wird das Auto nicht regelmäßig untersucht, gehen irgendwann die Bremsen kaputt, und was passiert dann?«
»Dann fährt das Auto bestimmt gegen einen Baum und dann haben wir eine Unfall«, stellt Lena voller Schrecken fest.
»Nein, das will ich nicht. Du sollst keinen Unfall haben«, sagt Lena ganz energisch, »nach dem Essen musst du gleich zu dieser Untersuchung fahren. Ich komme mit und passe auf, dass du da auch hinfährst.«
»Das ist eine gute Idee«, freut sich Papa Mirko, »dann bummeln wir dort in der Zwischenzeit ein bisschen durch die Stadt und da können wir vielleicht noch ein Eis essen.«
»Oder du eine Bratwurst, oder Pommes«, fällt ihm Lena lachend ins Wort.
»Auch gut«, sagt Papa Mirko, »und wenn wir dann zurückkommen, kannst du kontrollieren, ob alles am Auto in Ordnung ist.«
»Wie soll ich das denn machen?« sieht Lena ihren Papa fragend an.
»Wenn alles okay ist, dann bekommt unser Auto auf das Nummernschild eine neue Prüfplakette, und die wirst du ja wohl finden«, antwortet der Papa.
»Na klar«, ruft Lena aufgeregt, »und dann werde ich Polizist und kontrolliere, ob alle Autos so eine Plakette haben.«
»Du und Polizist«, lacht Papa Mirko, nimmt seine kleine Tochter auf den Arm und beide verschwinden noch immer lachend ins Haus zum Mittagessen.
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