Beim Zahnarzt

»Mama, Mama! Er wackelt schon.«
Laut rufend läuft Lena aus ihrem Zimmer zu ihrer Mama Tasha in die Küche.
»Wer wackelt?« fragt die überraschte Mama ganz erstaunt.
»Na, der Zahn hier«, entgegnet Lena ganz aufgeregt und zeigt auf einen ihrer oberen Schneidezähne.
Mama Tasha beugt sich zu ihrem kleinen Schatz und überprüft fachmännisch die ganze Zahnreihe.
»In der Tat«, bestätigt sie und wackelt mit ihrem Zeigefinger und Daumen an einem Zahn, »der hier hat seine beste Zeit gehabt, der wird dir bald ausfallen.«
»Endlich«, seufzt Lena und sieht dabei in die fragenden Augen ihrer Mama.
»Im Kindergarten haben schon fast alle Kinder aus meiner Gruppe eine Zahnlücke«, erklärt sie, »und ich bin doch auch schon groß.«
»Ach so, das stimmt natürlich«, bestätigt ihr Mama Tasha, »aber bald kannst du auch ganz stolz auf deine Zahnlücke sein, wenn jeder sehen kann, wie groß du dann schon geworden bist.«
Lena nimmt ihre Mama in den Arm und gibt ihr einen Kuss, denn sie freut sich darüber, dass ihre Mama sie verstanden hat.
»Aber warum«, traut sie sich dann zu fragen, »warum fallen die Zähne überhaupt aus, die sind doch noch gut.«
»Deine sehen tatsächlich noch gut aus«, bestätigt ihr Mama Tasha, »aber sie werden dir zu klein, denn sie können nicht mit dir mitwachsen.«
»Und dann kommen große neue Zähne und schieben die alten Zähne einfach raus?« unterbricht Lena ihre Mama.
»Wenn alles gut geht, ja«, versucht die Mama zu erklären, »aber wenn der alte Zahn nicht herausfallen will, dann schiebt sich der neue Zahn irgendwo an der Seite vorbei und dann wächst er ganz schief.«
»Iiih, das habe ich schon mal bei einem Mädchen gesehen«, ruft Lena ganz aufgeregt, »das will ich aber nicht, das sieht nicht schön aus.«
»Da muss ich dir Recht geben«, bestätigt ihr die Mama, »und es gibt nur einmal neue Zähne. Wenn die nicht schön wachsen, bleibt das für immer so.«
Lena sieht ihre Mama fragend an: »Was machen wir denn da?«
»Ich würde vorschlagen, dass sich deine Zähne mal ein Experte anschaut.«
Man kann richtig sehen wie Lena grübelt und dann ihre Augen anfangen zu strahlen.
»Du meinst einen Zahnarzt«, ruft sie ganz stolz.
»Genau, da hätten wir jetzt sowieso einmal hin gemusst.«
»Warum«, will Lena sofort wissen, »mir tut doch nichts weh.«
»Wenn es dir weh tut, dann ist es auch schon fast zu spät«, antwortet ihr Mama Tasha.
»Warum«, fragt Lena erneut.
»Papa fährt mit unserem Auto auch immer in eine Werkstatt und lässt es überprüfen, denn wenn es stehen bleibt, weil etwas nicht in Ordnung ist, hat man hinterher viel mehr Ärger«, versucht ihr die Mama durch ein Beispiel zu erklären.
»Wenn da also so ein Loch kommen will, sieht der Zahnarzt das schon und repariert das gleich«, sprudelt es aus Lenas Mund, »und dann kann das gar nicht mehr weh tun.«
Jetzt nimmt die Mama Lena in den Arm und dreht sich mit ihr einmal im Kreis.
»Was bist du doch für ein schlaues Mädchen«, sagt sie, »ich rufe gleich einmal beim Zahnarzt an und lasse uns einen Termin geben.«
Ein paar Tage später sind die beiden beim Zahnarzt im Behandlungszimmer und Lena klettert auf den großen Stuhl.
»Ich lasse jetzt die Rückenlehne runter und mach aus dem Stuhl einen Liegestuhl«, erklärt ihr der Zahnarzt, »das ist für dich bequemer und ich muss mich auch nicht so bücken, wenn ich dir in den Mund schaue.«
Dann bekommt Lena von der Zahnarzthelferin ein Tuch an den Hals gelegt und sie macht eine Lampe an, die Lena genau ins Gesicht strahlt. Der Zahnarzt zieht sich Handschuhe an und legt sich einen Mundschutz an.
»Wenn dich die Lampe blendet«, sagt er, »dann mach einfach die Augen zu. Ich erzähle dir sowieso immer vorher, was ich mache und wenn du dann Fragen hast, nehmen wir die Lampe zur Seite und können das in Ruhe besprechen, einverstanden?«
Lena nickt. Sie hat ihren Mund schon ganz groß aufgemacht und kann darum gar nichts mehr sagen.
»Ich schaue mir jetzt einmal deine Zähne an«, beginnt der Zahnarzt, »dazu gehe ich mit diesem Spatel in deinen Mund. Den Spatel benötige ich nur, um deine Lippen und Wangen etwas an die Seite schieben zu können, damit ich die Zähne und auch das Zahnfleisch besser sehen kann.«
Lenas Herz klopft bei der Kontrolle ganz doll, aber das ist eigentlich ja immer so, wenn man irgendetwas das erste Mal macht.
»Du hast ganz wunderbare Zähne«, sagt der Zahnarzt endlich, »da ist alles in Ordnung, und dein Wackelzahn muss noch etwa eine Woche wackeln, dann wird er dir sicher ganz leicht herausfallen. So gute Zähne habe ich lange nicht mehr gesehen.«
»Ich putze sie mir ja auch immer nach dem Essen«, erklärt ihm Lena, »da müssen sich Karius und Baktus schon jemand anderes suchen bei dem sie Löcher machen können.«
Freudestrahlend geht Lena mit Mama Tasha wieder nach Hause.
»Das hat Spaß gemacht«, sagt sie, »da können wir ruhig öfter mal hingehen.«
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